Dietmar Jäkel
Dietmar Jäkel ist Perfektionist. Immer wieder bearbeitet er seine Bilder, verändert Ausschnitte, erfindet die Motive neu. In Werkgruppen, die sich über Jahre intensiven Schaffens erstrecken, bringt er seine Gemälde nach und nach zur Vollendung. Immer sind sie äußerst konsequent in Szene gesetzt, mit großem Können.
Während die erst kürzlich begonnene Arbeitsperiode Poolbilder noch am Anfang der künstlerischen Auseinandersetzung steht, sind die Bilder der Serien Lost faces seit 2008 und An der Frau – Beobachtungen bereits seit 2005 in Arbeit. Ihnen zu Grunde liegen völlig zufällig entstandene Fotos, die der Künstler ausschnittsweise antizipiert und teilweise stark vergrößert. Er verändert den Bildausschnitt, setzt neue Akzente, verschiebt den Fokus. Dadurch entstehen verblüffend neue Sehweisen auf das Bild und eine zeitgenössische Betrachtung des Modells Frau.
Bei An der Frau – Beobachtungen ist es immer das gleiche weibliche Modell, das Jäkel fokussiert. Er beobachtet sie in verschiedenen Situationen und kommt ihr dabei durchaus nahe – trotzdem scheint sie sich ihres stillen Beobachters nie bewusst zu werden. Der Blick des Künstlers reicht über ihre Schulter, streift ihre Beine und verweilt auf ihrem Gesicht. Die Unwissenheit des Modells lässt dabei eine Nähe zu, die man zunächst nicht erwarten würde, die der Künstler aber in Szene zu setzen weiß.
Jäkel hat lange Erfahrung. Er nahm schon 1973 das Studium der Malerei an der Academie du Feu in Ravenel, Frankreich auf. Sein internationaler Lernweg führte ihn weiter, unter anderem zu einem Lehraufenthalt bei Robin Page, einem Gaststudium bei R. Jörres und schließlich zurück ins Ruhrgebiet, wo er seit einiger Zeit Schwerpunkte setzt. So hatte er viele Ausstellungen in Essen, Gelsenkirchen oder Bochum, stellte aber auch in Berlin aus - zuletzt in der Galerie Tantow, 2008.
Ein Rückzug aus der internationalen Arbeit ist damit allerdings nicht einher gegangen. So arbeitete er zum Beispiel zuletzt mit dem peruanischen Maler Ricarodo Wiesse oder der Fundación Tabaluga auf Mallorca.
Zurück in Deutschland beschäftigt Jäkel sich weiterhin mit der Serie Lost faces. Dafür setzt er sich mit dem Unbekannten auseinander. Die Modelle auf den zufällig entstandenen Fotos, die seiner Arbeit zu Grunde liegen, kennt er nicht – das ist elementarer Bestandteil der künstlerischen Auseinandersetzung. Wieder arbeitet er mit speziellen Ausschnitten, die er vergrößert und gibt so dem klassischen Sujet des Portraits eine neue Rezeptionsmöglichkeit.
Es ist eine zeitgenössische, figurative Malweise, in der Jäkel seine Modelle portraitiert. Er hält sie mit Öl auf Leinwand fest. Nah an der Realität – und doch anders, als man es kennt.

